Verlegung von Stolpersteinen

Montag, 13. Dezember 2021

In der Stadt Grünsfeld bestand bereits im Mittelalter eine Jüdische Gemeinde und geht in die Zeit Anfang des 16. bzw. 17. Jahrhunderts zurück. Die damalige Gemeinde hatte eine Synagoge, eine jüdische Schule und eine Mikwe. Die Verstorbenen wurden auf dem jüdischen Friedhof zu Allersheim bestattet. 1827 wurde die Gemeinde dem Bezirksrabbinat Wertheim zugeteilt.


Im 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts lebten in Grünsfeld ca. 100 Juden, deren wichtigster Beruf der Viehhandel war.


1933 wurden im Ort 29 jüdische Bewohner gezählt. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung wanderten mehrere Juden aus oder verzogen in andere Städte. Die Kultusgemeinde wurde deshalb am 7.März 1938 aufgelöst. Die hier noch lebende Juden wurden Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Tauberbischofsheim.


1940 wurden die letzten in der Stadt lebenden jüdischen Menschen in das Lager Gurs in Frankreich deportiert, von denen nur einer  überlebte.


Am Mittwoch, den 27.Oktober 2021 wurden an zwei Stellen im Ort Stolpersteinen gesetzt. Um 09.00 Uhr versammelte sich an der 1.Station der Veranstaltung vor dem Haus Jürgen Haude  ehemals Haus Rosenbaum in der Brunnengasse 1 Menschen aus Grünsfeld und aus anderen Orten, um hier der Verlegung von Stolpersteinen für die früheren jüdischen Bewohner des Hauses durch den Künstler Gunter Demnig beizuwohnen.

Nach der Öffnung der vorhandenen Straßenpflasterung erfreute Herr Matthias Ernst die Anwesenden durch ein sehr schön vorgetragenes Musikstück auf der Klarinette. Nach der Nennung der Personen, für die jeweils ein Stolperstein verlegt wurde - Babette Rosenbaum s.A., Karolina Merzbacher s.A. und Rosa Schwab s.A. - alle drei Opfer des Nationalsozialismus - und einem nochmaligen Musikstück auf der Klarinette trug der Begleiter von Frau Dr. Monika Berwanger  Herr  Joachim Bürkle, wissenschaftlicher Mitarbeiter  am Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, in Hebräisch und Deutsch das Gebet El male rachamin (= Gott voller Erbarmen) vor, das während Bestattungen, am Todestag eines Verstorbenen (Jahrzeit), beim Besuch der Gräber von Angehörigen[1] sowie am Jom haSchoa vorgetragen wird. Frau Dr. Berwanger hatte sich um das Andenken der Juden hier durch Übersetzung ihrer Gräber auf dem Friedhof zu Allersheim  große Verdienste erworben.


Anschließend begaben sich die Veranstaltungsteilnehmer zur 2. Station  - zum heutigen Haus Pierrot Michel  ehemals Haus Rothschild in der Abt-Wundert-Straße. Hier wurden von Herrn Demnig 10 Stolpersteine für die folgenden Opfer des Nationalsozialismus deponiert:  Rosa Rothschild s.A,, Irma Baer, Walter Baer, Bruno Rothschild, Max Rothschild, Rita Rothschild, Emil Rothschild, Elly Rothschild, Justin Rothschild und Klementine Rothschild. Das Schicksal der meisten Personen, für die hier ein Stolperstein bereitgestellt wurde, ist bis heute unbekannt. Dazu gab Bürgermeister Markert folgende sehr gut verständliche Erklärung ab: Unsere Voraussetzung für die Verlegung den Stolpersteinen ist, dass im Gedenken die Familien wieder zusammengeführt werden. Daher werden auch Überlebende Familienangehörige an der entsprechenden Adresse einbezogen und erhalten einen Stolperstein: zum Beispiel Kinder, die in Sicherheit gebracht werden konnten! Judendliche, die nach Palästina gingen, Angehörige, denen die Flucht gelang; KZ-Überlebend; u.a. Gedacht wird auch der Menschen, die unter dem Druck der damaligen Umstände ihrem Leben ein Ende setzten. Wegen der schwierigen Beschaffenheit des Straßenbelages konnten die Steine nicht sofort installiert werden. Dies wird jedoch bald geschehen.  Nach einem weiteren wundervollen Musikstück auf der Klarinette durch Herrn Ernst begaben sich alle Anwesenden in den Rienecksaal der Stadt.


Beim Eintreffen der Gäste sang der Kirchenchor den hebräischen Kanon Haschiwejnu , danach trug Stadtrat Realschullehrer Franz Ködel M.A. Gedanken zum Thema Erinnerungskultur ein bleibender Auftrag unserer Stadt vor. Anschließend erfolgte eine kurze Darstellung des Kunstprojekts Stolpersteine durch deren Initiator Gunter Demnig, gefolgt von einem wunderschönen Musikstück  durch Herrn Ernst auf der Klarinette. Danach wurden alle Anwesenden gebeten, sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen. Mit dem Lied Hine ma tov umah naim, sehr ergreifend vom Kirchenchor vorgetragen, dem für seine Darstellungen höchstes Lob gebührt und einem weiteren Musikstück auf der Klarinette durch Herrn Ernst endete der denkwürdige Empfang durch den Bürgermeister, der allen, die das Glück hatten daran teilnehmen zu dürfen, noch lange in sehr schöner Erinnerung bleiben wird, wie übrigens die gesamte Veranstaltung in Grünsfeld.





<< zur Übersicht

Veranstaltungen


Notrufnummern



Notruf
112


Feuerwehr
112



Öffnungszeiten

  • Montag - Mittwoch
    07:30 - 12:30 Uhr
    13:15 - 16:30 Uhr
    Das Bürgerbüro ist Montag- und Mittwochnachmittag geschlossen.

  • Donnerstag
    07:30 - 12:30 Uhr
    13:15 - 18:00 Uhr

  • Freitag
    07:30 - 12:00 Uhr

IMPRESSIONEN
GRÜNSFELD UND ORTSTEILE

Stadt Grünsfeld | Hauptstraße 12 | 97947 Grünsfeld | Tel. | Fax 09346 9211-92 |